#Heldenakademie

Warum wir Medienkompetenzen an Schulen fördern

Mit dem Mentorenprogramm langfristig etwas verändern

Erschienen am 18. August 2022 · Autor Julian Scharlau

Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für Kinder und Jugendliche – davon hört man aktuell im Bildungsbereich immer wieder. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff Medienkompetenz, welche Herausforderungen werden mit diesen Fähigkeiten bewältigt und wie wird das Thema an unseren Schulen gefördert? In diesem Beitrag geben wir Antworten auf all diese Fragen und stellen unser Mentorenprogramm als nachhaltigen Vermitt­lungsansatz für die Schule vor.

Was ist Medienkompetenz?

Medien als Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt

Heutzutage wachsen unsere Kinder ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Smartphones, Laptops, ein Internetzugang oder ein Fernseher sind in der heutigen Zeit in nahezu jedem Haushalt zu finden. Für Kinder bietet diese digitale Medienausstattung einen Zugang zu vielen tollen Möglichkeiten, besonders durch das Internet: Es wird zum Beispiel gerne als Rechercheinstrument für Informationen zu allen möglichen Themen genutzt, um Spiele zu zocken, Musik zu hören, um Filme zu schauen oder zu lernen. Aber auch die Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp ist bei Kindern eine beliebte Beschäftigung im Internet. Und natürlich sind auch Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat hoch im Kurs, um sich dort mit Freunden auszutauschen, eigene Beiträge zu posten oder um bekannten Persönlichkeiten zu folgen. Die Mediennutzung der Jugendlichen ist vielfältig und sie verbringen viel Zeit mit ihren digitalen Geräten!

Die KIM-Studie 2020 drückt das auch in Zahlen aus: 12-13-jährige Jugendliche sind im Schnitt 84 Minuten an einem Wochentag online.01 Digitale Medien spielen also eine ganz zentrale Rolle im Leben der Jüngsten in unserer Gesellschaft. Dies bringt jedoch auch einige Herausforderungen mit sich. Denn unsere Kinder wachsen in einer komplexen und schnelllebigen Welt auf, täglich prasselt auf sie eine Flut an Informationen ein. Ein Glück, dass es Nachrichtenquellen gibt, die diese für uns filtern, einordnen und uns uns die Zusammenhänge vermitteln. Doch nicht alle Informationsdienste sind seriös und beziehen sich auf Fakten. Um zu lernen vertrauenswürdige Quellen von Falschmeldungen zu unterscheiden, ist es wichtig, ein Verständnis für die Medien-Funktionsweisen und Qualitätsmerkmale zu erlernen – am besten schon im frühen Alter. Denn nur so können Schüler*innen Nachrichten bewerten und kritisch hinterfragen.02 Ein zentraler Bestandteil der Medienkompetenz ist also auch die Informationskompetenz. Aber was gehört noch dazu?

Was ist Medienkompetenz?

Unter Medienkompetenz versteht man einen selbstbestimmten, kritischen, verantworungsbewussten und kreativen Umgang mit Medien.03 Diese Fähigkeit wird unter Pädagog*innen als Schlüsselqualifikation für junge Menschen angesehen, um sich selbstständig und verantwortungsbewusst mit Medien auseinander zu setzen.02 Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Posten von privaten Inhalten auf Social-Media-Plattformen. Teilen wir ein Foto oder ein Video, auf dem unser Gesicht zu sehen ist? Schreiben wir einen persönlichen Tweet über unsere Gefühlswelt? So oder so geben wir dabei auch etwas über unsere Persönlichkeit im Internet preis. Dabei sollte einem bewusst sein, dass die Inhalte auch noch in Jahrzehnten im Internet herumschwirren, irgendwo auftauchen und im Negativfall auch gegen uns verwendet werden könnten. Denn wie heißt es so oft: „Das Medium Internet vergisst nie“ und das muss man lernen, wenn man sich dort bewegen möchte.

Ein kompetenter und bewusster Umgang mit digitalen Medien wirkt sich auch positiv auf die Entwicklung von jungen Menschen aus. Denn wer sich damit auskennt, kann am alltäglichen gesellschaftlichen Leben selbstbestimmt teilhaben, sich weiterbilden und eine Menge lernen. Und gleichzeitig bereitet es unsere Kinder auf die Erwachsenenwelt vor, in der dieses Wissen oftmals vorausgesetzt wird. Dafür braucht es aber von Anfang an auch medienpädagogische Begleitung durch Bezugspersonen wie Eltern, Lehrkräfte oder Erzieher*innen.04 Sie müssen die Medienkompetenz der Kinder aktiv fördern – nur so kann Medienerziehung gelingen!

Wie die Begleitung in der Schule gelingt

Um den Umgang mit digitalen Medien zu fördern, ist auch eine praktische Arbeit mit PCs, Tablets oder Smartphones in der Schule erforderlich. Genauso wie mit gängigen E-Learning-Programmen oder Software-Anwendungen. Während den Hochzeiten der Corona-Pandemie wurden die Schulen zwar zeitweise zu digitalem Unterricht gezwungen, im normalen Regelbetrieb wird sich jedoch noch selten mit Medienbildung im Unterricht befasst.01 Aber woran liegt das? Studien zeigen, dass ein Großteil der Lehrkräfte die Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht als besonders wichtig erachtet. (60%) Dabei liegt ihnen das Erkennen von Falschnachrichten sowie die Bewertung von Quellen sehr am Herzen, also auch wieder der Aspekt der Informationskompetenz. Dass dabei jedoch das Gesamtbild der Medienkompetenz nicht vollständig abgebildet wird, kommt oftmals zu kurz. Und dazu kommt: In den Schulen fehlt es schlichtweg an Zeit und den geeigneten Rahmenbedingungen für die Umsetzung. Etwa zwei Drittel der Lehrkräfte beklagen sich über zu wenig Zeit im Lehrplan für solche Themen.05 Lehrkräfte müssen also lernen, wie sie trotz vollem Lehrplan Medienkompetenz und den Umgang mit dem Internet fördern können.

Und noch ein weiterer Aspekt ist bei der Vermittlung von Medienkompetenz entscheidend. Eine Begleitung der Kinder und Jugendlichen setzt voraus, dass auch die Erwachsenen selbst (Pädagog*innen oder Eltern) über diese Fähigkeiten verfügen.03 Dafür braucht es zum einen ein technisches Verständnis, zum anderen aber auch ein umfangreiches Wissen zu ethisch-moralischen Grundsätzen oder anderen Haltungsfragen, z.B. rund um das Thema Datenschutz oder den Umgang mit Hate Speech. Und als Lehrkraft stellt sich dann noch die Frage, wie man Medien im Unterricht gezielt einsetzt und den Umgang damit an Schüler*innen vermittelt. Laut einer Studie der Telekom-Stiftung fühlen sich etwa 82 Prozent der Lehrkräfte dazu in der Lage und etwa 55 Prozent haben in den vergangen Jahren an entsprechenden Fortbildungen teilgenommen, um sich für den Unterricht weiterzubilden.06 Der Wille und das technische Skill-Set sind also laut dem eigenen Empfinden zu großen Teilen schon vorhanden. Die Verankerung im Lehrplan oder auch der Umgang mit digitalen Herausforderungen und Notfällen sind aber noch Knackpunkte.

Dabei ist die Notwendigkeit in jedem Fall gegeben, denn viele Pädagog*innen schlagen bereits Alarm: Die Zahl der Mobbingfälle und Hassnachrichten im Internet steigen immer weiter an. Dazu wird immer öfter von Fällen berichtet, bei denen anzügliche Bilder oder Sticker mit teilweise strafrechtlich relevanten Symbolen unüberlegt in Klassenchats weitergeleitet werden. Hierbei wird deutlich, welche Skills über das technische Verständnis hinaus ganz dringend bei Pädagog*innen erforderlich sind. Über Elternabende oder auch Interventionsprojekte wird an den Schulen oft versucht auf diese Entwicklungen zu reagieren.07 Eine langfristige Lösung gibt es jedoch häufig nicht. Welche Möglichkeiten gibt es hierbei, präventiv und nachhaltig etwas an der Schule zu bewirken und Medienbildung ins Curriculum aufzunehmen?

Eine langfristige Lösung – das Mentorenprogramm

In unserem Mentorenprogramm für Schulen verfolgen wir gemeinsam mit engagierten Lehrkräften das Ziel, Schüler*innen der 8.-10. Klassen zu Digitalen Held*innen auszubilden. In einer Fortbildung zum Schuljahresbeginn geben wir den Pädagog*innen einen Überblick über unseren vollständig ausgearbeiteten und multimedial aufbereiteten Online-Kurs mit Modulen über Cybermobbing, Sexting oder den Umgang mit persönlichen Daten im Netz. Das tolle an dem modularen System: Sie gestalten Ihren eigenen Medienkompetenz-Lehrplan fürs kommende Schuljahr. In AGs, Wahlpflichtfächern oder Projekttagen werden die Inhalte mit den teilnehmenden Schüler*innen bearbeitet. So verankern wir Medienbildung dauerhaft im Lehrplan. Das neu erlernte Wissen geben die Jugendlichen im Anschluss an jüngere Schüler*innen weiter. Dafür veranstalten sie regelmäßig Klassenbesuche in den Stufen 5-6, starten Pausenhof-Aktionen oder veranstalten selbstständig Elternabende und geben so das Thema Medienkompetenz kreativ an jüngere Kinder weiter.

So verteilt sich das Wissen bei den teilnehmenden Klassen unter Einbindung der eigenen Schüler*innen. Die teilnehmenden Digitalen Held*innen agieren also als Mentor*innen und stärken neben ihren digitalen Skills auch ihre sozialen Kompetenzen. Das Mentorenprogramm verfolgt demnach einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz und hat somit einen langfristigen Effekt. Bereits 210 Schulen aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen und vielen weiteren Bundesländern nutzen erfolgreich unser Angebot. Das Mentorenporgramm kann auch als Baustein für den Digitalpakt Schule verwendet werden.

Wir können natürlich viel darüber erzählen, wie überzeugt wir von unserem eigenen Angebot sind. Viel wichtiger ist aber, was die teilnehmenden Pädagog*innen, bei uns Heldenbegleiter*innen genannt, und Schüler*innen davon halten und wie ihre eigene Medienkompetenz dadurch gestärkt wurde.

Was macht dir bei den Digitalen Helden am meisten Spaß oder was gefällt dir am besten, und warum? »Mir gefällt die Medienvielfalt in den Online-Kursen. Alles ist schon perfekt aufbereitet. Man muss fast nichts mehr vorbereiten.«
Heldenbegleiterin aus Bayern, teilgenommen im Schuljahr 2020/21

Was hat dir das Projekt Digitale Helden bis jetzt gebracht?
»Ich konnte mein Wissen erweitern und meine Fähigkeiten im Umgang mit Medien und jüngeren Schülern verbessern. Ich habe meinen eigenen Horizont erweitert und konnte mich weiterentwickeln. Ich habe viele neue Leute kenngelernt und neue Erfahrungen gesammelt.«
Digitaler Held aus Hessen, 15 Jahre, teilgenommen im Schuljahr 2020/21

Sind Sie neugierig geworden? Weitere Informationen über das Mentorenprogramm, mit dem Sie Medienkompetenz und digitale Bildung an Ihrer Schule fördern können, finden Sie auf unserer Webseite. Gerne können Sie auch ein unverbindliches Beratungsgespräch mit uns vereinbaren. Wir freuen uns auf Sie und unterstützen Sie gerne bei der Förderung von Medienkompetenz an Ihrer Schule.

Ihr Autor

Profilbild von Julian Scharlau

Julian Scharlau

Verantwortungsbereich bei den Digitalen Helden
Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Quellenangaben
01 · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), KIM-Studie, Kindheit, Internet, Medien, Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger, 2020, mpfs.de/studien

02 · Planet Schule, Einführung in das Thema Medienkompetenz, 2022, planet-schule.de

03 · Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), VKinder fit im Umgang mit sozialen Medien machen, 2022, mdr.de

04 · Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Von der Mediennutzung zur Medienkompetenz, 2018, bpb.de/lernen

05 · Institut für Demoskopie Allensbach, Die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in der Schule, 2020, stiftervereinigung.de

06 · Telekom-Stiftung, Schule digital – der Länderindikator, 2021, telekom-stiftung.de

07 · Westdeutscher Rundfunk (WDR), Cybermobbing an Schulen während Corona rasant gestiegen, 2021, wdr.de